Das Karussell erwartet euch

von Wilfried Weissmüller, April 2020

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Die im Jahr 2020 mithilfe einer PCR-Test-Pandemie mondial angestrengte Popularisierung eines Betacoronavirus wird ungeachtet der phantastischen Nützlichkeit dieser Fokussierung die infantilen und für jederart Heimsuchung empfänglichen Seelen eine sehr lange Zeit konsternieren und geistig überanstrengen. Demgegenüber kommen die Überlebenskünstler in den Nationen sicherlich gefasster und auch weniger gestresst durch die periodischen Wechsel von Eindämmung und Lockerung, wenngleich doch deren Urvertrauen in ein vernünftiges Regierungshandeln mit den platzgreifenden weit hergeholten sanitären Repressionen nachhaltig zerstört werden dürfte.
    Die Langlebigkeit von Senioren verliert sich zwar auch im Zuge vorgezeichneter Krisen und eine grenzüberschreitende Verjüngungssequenz scheint induziert, tatsächlich jedoch wird an dem neu eingetragenen Virus ohne Vorerkrankung nur derjenige sterben, dessen Willen zum Tode bereits abschließend aufgebracht war. Die nach Wuhan und Bergamo fertig und transnational anwendbaren Allgemeinverfügungen, welche zeitlich unlimitiert und ohne Rückgriff auf ein offenkundiges Wahrscheinlichkeitsbild nach und nach aufgelegt werden, bekunden die Anwesenheit ziemlich abwegiger Wirklichkeitsauffassungen. Zu deren Ausbringung lassen die zuständigen Dienststellen allseits propagieren, daß die Erkrankung an COVID-19 vollständig jedem drohe und nur die Impfung uns vor immer wiederkehrenden Infektionsausbrüchen bewahren kann. Angesichts der überschaubaren Umstände erinnert die permanente Gegendarstellung eines Gesundheitsprimats jedoch an die Zudringlichkeit eugenischer Optimierungsregime, wo man für den Ausweis von Erziehungsfortschritten es vergleichbar effektiv verstand, die Grundrechte einer Population für die Einflussnahme durch Regeln der Veräußerlichung anfällig zu machen.
    Mit dieser neuerlichen polit. Konjunktur einer Akkumulation des Lebens hält man also auch von Berlin aus die Lage unerhört katastrophal und wie es aussieht gut aufgelegt an der Glaubensvorgabe fest, daß es für die Designierung des emergenten Virus eher unproblematisch sei, nur die Bundesbehörden und Fachkundigen zu Rate zu ziehen, welche keine Verletzung darin erkennen mögen, wenn bei der Verfertigung einer geeigneten Negativsprache zur Markierung des Ungewussten die Unwissenheitswissenschaft vom Erreger weiter vernutzt und kolportiert wird. Demgemäß erachtet der hiesige Gesundheitsminister es nicht für nötig, ein zur Verbindung der medizinisch-biologischen Expertise zur Verfügung stehendes gut bewährtes Exzellenzspektrum zu konsultieren, und so bringt dieser es fertig, einer Schicksalsgemeinschaft die Gelegenheit unbeirrbar vorzuenthalten, auf dem kürzesten Wege zu einem rechtmäßigen Verhältnisbegriff bei der Krisenbewältigung zu kommen. So ließe sich daraus wohl unstreitig ableiten, daß bei der Initiierung des entscheidenden Wissenserwerbs, über den bei der jeweiligen Informationsdichte die regelrechte und verlässliche Lageanalyse unverzögert und adäquat zutage treten soll, diesmal jedoch verderbliche Elemente eine Rolle spielen durften. Im Rückschluss legt eine solche Annahme für die Wertung der zugrundeliegenden Politikgestaltung doch nahe, daß gegenwärtig ein Dienstethos wiederbelebt wird, wo bereits im Akt der Erwartung eines multilateral gelagerten Dialogaustausches ein Stellen der Machtfrage vermutet wird und der Streit um die besten Konzepte systematisch kollabiert. Doch wozu derartige Perfidität erneut?
    Es entspricht der erhöhten Irrationalität dieses Geschehens, von behördlicher Seite anfänglich und bekräftigend herausposaunt zu haben, daß kein gefährlicher Virus käme, dann eine 180°-Drehung zu vollziehen, um danach pausenlos die Schlussmusik vom heraufziehenden globalen Massensterben aufzuspielen. Über sämtliche unterwürfige Kanäle wurde dem Bürger dadurch unmissverständlich klar gemacht, daß keine noch so begründete oder wachsende Skepsis der Glaubwürdigkeit der präsentierten Notstandssituation (mit dem Schlimmstfall-Szenario einer intensivmedizinischen Kapazitätslücke) bzw. der Schlüssigkeit der angesetzten Public Health-Strategie (Streckung der Kurve) einen Abbruch tut. Ganz so, als würde eine Bürgerpflicht nun auch darin bestehen, den frisch geschöpften Vorabendsrevisionismus der Instanzen Hals über Kopf zu teilen. Doch was durch die Verankerung der Vorkehrungen immer mehr und mehr in den Blick geriet, obgleich noch länger unaussprechlich bleiben soll, das ist die kontrafaktische Konjektur, daß es ohne die Privat-Shutdowns kein nennenswert gesteigertes Erkrankungs- oder Sterblichkeitsrisiko in diesem Land gäbe, sondern nur die üblichen saisonalen Nachfrageschwankungen bei den Bewertungsverfahren bezüglich der öffentlichen Gesundheitspflege und der Dunkelziffer bei den Hospitalisierungsrückläufern.
    Die mangels wesentlichen polit. Mitentscheidens durchgebrachten Gesetzesänderungen werden den Makel der Verfassungsverletzung nicht mehr los. Sie erweisen sich zusammen gesehen aus zwei naheliegenden Gründen als Annäherungskurs an die Staatsform autoritären Zuschnitts, weil in Anbetracht des imminenten Abschaltprogramms 1. eine sensitive Darlegung der Indizien über die Gegenwart eines epidemischen Dilemmas niemals ausbleiben darf, aber doch ausblieb und weil mit Blick auf die vorgenommene Deprivation einer ganzen Bevölkerung 2. die vordringliche Herstellung einer widerspruchslosen evidenz-basierten Betrachtung in einer Situation wie dieser nicht fehlen darf, doch fehlt. Warum aber wird eine allgemeine Akzeptierung der Grundrechtseinschränkungen weiterhin beobachtet? Wäre es möglich, diesen Zustimmungsschub mentaler Bequemlichkeit und Unbeständigkeit zuzuschreiben oder gewinnt dieser vielmehr seine Bestimmtheit aus der individuellen Reaktionsbereitschaft, mit der ein Mechanismus in Erscheinung treten könne, der dem akut gewordenen Ablösungsdruck der angestauten Angst- und Bedrohungsgefühle Projektionsventile bietet? Diese normalisierte psychopathische Auffälligkeit kann sich nicht einfach zurückführen lassen auf die Überlagerung von Wahrnehmungsstörungen durch vorverängstigte Rezeptionsgemeinschaften und einer Medienumwandlung, mit der das wahrhaftige Überbringen und der Überraschungswert der Nachrichteninformation sich zusehends verlieren. Auch wenn inzwischen unverhüllt ausgelebter Haltungsjournalismus sowie Meinungskontrolle und -manipulation mittels Zensur, Moralin und der Streuung von Halbwissen die letzten Reste von freier Berichterstattung und Diskursivität trocken legen und sich dabei konsequent für das Ablenken der Aufmerksamkeit von Vorgängen einer fortschreitenden Gewaltenbündelung und den fortwährenden Angriffen auf die kosmopolitischen Erkenntnis- und Mitteilungsquoten nützlich machen, so kann doch das Phänomen der endemisch gewordenen Zukunftsverweigerung durch die Massen erst damit virulent werden, weil man mit dem unbekümmerten Gang in die Unmündigkeit auch die Geister der Verzagtheit beschwor. Wir können förmlich sehen, wie Befangenheit und Schweigespirale die Kraft des Unvorhersehbaren eliminieren.
    Währenddessen haben wir es nun flächendeckend mit Verabsolutisierungsverdichtungen zu tun bekommen, welche auf das strukturelle Wirksamwerden einer restriktiven Sozialkorrektur hinweisen, die als Voreinstellung für einen finanzstrategischen Panoptismus herhalten dürfte, wenn das die Runde auf Weltebene macht, was die wirtschaftlichen Freiheitsproduktionen in kürzester Zeit zu kooptieren und mit diesen die Intensitäten unter den Ordoliberalen und Unangepassten in ebenso schneller Manier zu marginalisieren im Stande ist. Es ist dazu wahrnehmbar, daß der zuletzt noch verstärkte Konditionierungszwang auf ein Vermeidungsverhalten bis zu sozialer Distanzierung hin und die Weiterführung der panischen Stimuli die Gegenübertragungen und das Maß der konspirativen Brutalisierung allerorts ungeteilt ansteigen lassen. Ein all-inklusiv eingeschliffener Monothematismus produziert am laufenden Band ausgereizte Cliffhanger, welche die Szene für das jeweils nächste antidemokratische Vereinnahmungsmanöver vorbereiten, jedes aber wieder aufgefrischt zur Geltendmachung der Deutungshoheit für die Unternehmung der breitenwirksamen Spaltung und Zurückweisung. Durch das verlängerte Spiel auf der Klaviatur der Angst wird darum perpetuiert, was als Quelle für die zugenommenen Überlieferungsabbrüche und für eine Außerbetriebsetzung der bisherigen Schicklichkeit dient und so als Ausgangsmaterial für die Rückmeldung einer abgestellt angenommenen Transparenz- und Verbindlichkeitsreduktion, nebst der so viele Einwohner fortgesetzt entmutigt werden, für sich und für jeden anderen Übersiedler das immergrüne inter-intelligente Versprechen einlösbar zu halten und dem staatsmonopolistischen Experimentierbetrieb so redlich und gewiss wie nur möglich und plötzlich entgegenzutreten und im Falle akuter biopolitischer Okkurrenz die von Amtspatronage unterfütterte kleptokratische Gesellschaft und das System der damit einbezogenen Gestalten für beendet zu erklären. Doch die Leute entdecken mit manichäischer Sorgfalt im Zerrspiegel ihrer selbstnotwendigen Isolationsillusionen noch die vernünftigste Orthodoxie.
    Der enorme Abgründigkeitsumfang dieser neuerlichen polit. Posse wird hoffentlich auch den ehernen Klub der alternativen und außerparlamentarischen Strömungen dazu bewegen, die im Anruf des Infektionsschutzes verabschiedeten Neuregelungen auf deren Restriktionsdimension und Mutabilität hin zu beleuchten. Damit ergäbe sich die Möglichkeit, daß mit den Untersuchungen zum Verlauf der epidemiologischen Überwachung und polit. Entscheidungsfindung die Gralshüter unser Hauptaugenmerk dieses Mal auf den eigentlichen Verbildungsgrad der jeweiligen Wissens- und Amtsträger lenken, um genau erfassbar zu machen, inwieweit zum einen die bekundete Rigorosität der angesetzten Bestimmungsverfahren zur akademischen Determination des Virusimpakts auf ein vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehenes repräsentatives Niveau unangetastet blieb und inwiefern zum anderen die vorgelegten Kausalitätsprüfungen bei der Aufstellung innenpolitischer Maßnahmen im Hinblick auf die Gefahr soziokultureller Verwerfungen nicht empirisch geerdet wurden. Wer hingegen noch immer ein Problem damit hat, eine Scharade der Untauglichen auszumachen, der solle doch sogleich erinnern, daß zur Bescheinigung obrigkeitlicher Unzurechnungsfähigkeit eine leichte, bei der Autorität zu Tage tretende Fanatismuskontamination ausreicht - wie eben jene, die mit den megalomanen Formen aktueller paternalistischer Gewaltausübung als gegeben anzusehen ist. Eine halbherzige Exkommunikation nämlich wird es für die Gestrauchelten nicht geben, wenn die Differenz fortbestehen soll, mit der man das passionierte Ausleben des titanischen Gefühls von der unbilligen und selbstherrlichen Ermächtigung auszeichnet.
    Doch schließlich sollten auch die Bürger der BRD den internationalen Gerichtshof anrufen, um diejenigen hierzulande wegen Abtragung der Transzendenz und natürlichen Unwägbarkeit des Lebens sowie wegen Einsatzes inhumaner Praktiken zur Seite zu ziehen, die sich im Namen einer genormten Normalität unbeherrschbar bigott anschickten, eben dadurch eine verfolgbare Infektionskrankheit ohne seriösen Richtigkeitsnachweis zur todbringenden Seuche umgestalteten und unter Inkaufnahme des zivilisatorischen Regresses für die Vielen das Sterbedatum für einige wenige Dahinscheidende zu Lasten der Gesundheit aller diktierten.

Schlüsselwörter: Pseudo-Pandemie, Systemjournalismus, Cronyismus, Pathologisierung, Totalitarismus, zivilisatorischer Regress
Themen: Biopolitik, Psychopolitik
1.400 Wörter


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